„Übersetzen ist menschlich“


Derart subtil verachtend lautete Daniel Glattauers Diagnose vor etlichen Jahren in einer Kolumne. Obwohl sich der betreffende Text damals eindeutig auf eine maschinell angefertigte Übersetzung bezog, spiegelt sich in diesem knappen Urteil doch das öffentliche Image des Berufsstandes wider. Doch bevor wir uns dieser Frage eingehender widmen und ich Ihnen verrate, wie ich mich damals bei Glattauer beschwerte und wie er darauf reagierte, darf ich Sie in meinem Blog herzlich willkommen heißen. Schön, dass Sie den weiten Weg durch das World Wide Web auf sich genommen und letztendlich zu mir gefunden haben. Hier werde ich Ihnen das (Arbeits-)Leben einer Übersetzerin näher bringen, die Stolpersteine auf dem Weg zu einer gelungenen Übersetzung ein wenig genauer unter die Lupe nehmen und allerlei Themen rund um Sprache im Allgemeinen und Übersetzen im Besonderen besprechen.

Meine Motivation für diesen Blog speist sich aus zwei Quellen: zunächst erscheint es mir dringend notwendig, einen Beitrag zum Verständnis für die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern zu leisten, das ja unter „Normalverbrauchern“ ohnehin noch nie besonders stark ausgeprägt war – siehe die eingangs erwähnte Diagnose Glattauers. Wurde man früher (vor etwa 20 Jahren, als ich meine „Karriere“ begann) als so etwas wie ein wandelndes Wörterbuch wahrgenommen, so kann man heute froh sein, überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Kostenlose Übersetzungsprogramme im Internet werden, auch unter Auftraggebern, immer beliebter und erst wenn die mangelnde Qualität der Ergebnisse nicht mehr zu verbergen ist, besinnt man sich gelernter Übersetzer, die dann zu Hilfe gerufen werden, um eine „Übersetzung“ noch einmal „durchzusehen“. In diesem Bereich gilt es also, noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Natürlich könnten das auch diverse Berufsverbände tun, aber – zumindest in Österreich – handelt es sich dabei um wenig mehr als einen in Wien ansässigen esoterischen Zirkel, dessen Name nicht zu erwähnt werden braucht, weil ihn ohnehin niemand kennt.

Der zweite - rein persönliche - Grund, diesen Blog ins Leben zu rufen, ist der Wunsch einmal „etwas Eigenes“ zu schreiben. Als Übersetzerin ist man naturgemäß gezwungen, im wahrsten Sinne des Wortes „nachzudenken“ - und zwar genau das, was schon jemand „vorgedacht“ hat. Dabei ist es nicht nur empfehlenswert, sondern ganz und gar notwendig, sich ganz in die Welt des Autors/der Autorin zu versetzen und eigene Gedanken zum Text erst gar nicht aufkommen zu lassen. Natürlich: bei medizinischen Fragebögen, finanztechnischen Jahresabschlüssen, Bedienungsanleitungen oder wissenschaftlichen Abhandlungen fällt das nicht allzu schwer, obwohl man in diesen Bereichen manchmal besser auch nicht näher über gewisse Formulierungen im Ausgangstext nachdenkt. Dennoch hatte ich in den langen Jahren als Übersetzerin von Kommentaren aus verschiedensten Fachbereichen für deutschsprachige Qualitätszeitungen oft genug Mühe, ob der darin geäußerten Ansichten, meine eigenen Gedanken völlig zu verdrängen, um die Übersetzungen nicht ungewollt „einzufärben“. Darüber wird in diesem Blog auch noch öfter zu diskutieren sein.

Zum Abschluss meines ersten Beitrags noch kurz ein organisatorischer Hinweis: Selbstverständlich kann zu den Blogbeiträgen kommentiert werden. Ich freue mich sogar sehr über Feedback und angeregte Diskussionen. Aber bitte: nur ernst gemeinte Zuschriften. Um zu gewährleisten, dass sich keine Trolle herumtrollen oder andere Spaßvögel ihr Unwesen treiben, werden Ihre Kommentare – zumindest vorerst – nicht sofort freigeschaltet. Ein klein wenig Zensur muss – zur Qualitätssicherung – noch sein. Wer mir schreiben möchte, ist eingeladen, seine/ihre Nachricht im Kommentarfeld zu hinterlassen.


Comments

walter groier, 14.05.2013
Liebe Helga,

Gratulation zur schmissigen
Homepage. Ich lese immer wieder mit Vergnügen "Deine" Artikel in diversen Zeitschriften. Ich erinnere mich spontan an den Artikel von/über Toni Blair.
Weiterhin viel Erfolg und Freu(n)de mit Deinem Beruf.

Liebe Grüße Walter
Gerhard Groier, 14.05.2013
Liebe Helga, ich gratuliere dir zur Hompage und bin schon neugierig auf die weiteren Blog-Einträge.

Gerhard
Elisabeth Groier, 20.05.2013
Super, dass Du Deine HP nun realisieren konntest!
Bin schon gespannt auf alles, was noch kommen wird!

Liebe Grüße, Elli

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