16.05.2013
By: Helga Klinger-Groier


Wie erwähnt werden also Übersetzerinnen und deren männliche Pendants in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen und von der Arbeit, die sie verrichten, hat kaum jemand eine Vorstellung.  Dafür gibt es zahlreiche Belege und Beispiele, doch selten trat dies so deutlich zu Tage wie bei der im letzten Beitrag erwähnten Kolumne Glattauers.

Der Text unter dem Titel „Übersetzen ist menschlich“ erschien vor etlichen Jahren in der österreichischen Tageszeitung Der Standard. Obwohl  überaus komisch, konnte vor allem die Überschrift aus meiner Sicht nicht unwidersprochen bleiben. Erstens, weil es mir unfassbar erschien, dass ein sonst nicht unsensibler Autor offenbar davon ausging, dass die zitierte „Übersetzung“ tatsächlich von einem menschlichen Übersetzer angefertigt worden war und, zweitens, weil gerade Der Standard damals offensichtlich gelungene Übersetzungen veröffentlichte, ohne den Namen der Übersetzerin (meinen beispielsweise) oder des Übersetzers zu erwähnen, wozu er eigentlich verpflichtet wäre.

Ich wandte mich damals mit meiner Kritik an Glattauer, der sich auch umgehend meldete.  Überaus nett schrieb er, dass es nie und nimmer seine Absicht gewesen wäre, den Übersetzern auf den Schlips zu treten (das glaube ich ihm sogar). Überdies wolle er dafür sorgen, dass man im zuständigen Ressort künftig im Falle der Veröffentlichung von Übersetzungen die Nennung der Übersetzerin nicht vergisst.

Was kam dabei heraus? Glattauer veröffentlichte noch einige Kolumnen, in denen er schlechte Übersetzungen bloßstellte, fügte aber immer an, dass es sich um Maschinenübersetzungen handelte. Im Ressort „Kommentar der anderen“ des Standard werden seither die Namen der Übersetzer immer genannt (zwar manchmal in Schriftgrößen, die ohne Lupe nicht zu entziffern sind, aber immerhin). Bis zu den anderen Ressorts (Wirtschaft, beispielsweise) hat es sich aber noch immer nicht herumgesprochen, dass es so etwas wie ein Urheberrecht für Übersetzer gibt. 

Doch der Standard ist wahrlich nicht die einzige Tageszeitung, die es mit der Nennung von Übersetzern nicht so genau nimmt. Ich interpretiere dies einmal vornehm als Unwissenheit der zuständigen Redakteure. Doch denselben Redakteuren sei ins Stammbuch geschrieben, dass auch in diesem Bereich Unwissenheit nicht vor Strafe schützt.  Es soll schon Übersetzerinnen und Übersetzer gegeben haben, die die Namensnennung (auch in Radiosendungen) gerichtlich erwirken ließen. Davon bin ich persönlich zwar noch ein Stück entfernt, aber wer weiß, vielleicht kommt der Tag… Einstweilen begnüge ich mich damit, mittels Blog auf dieses Problem aufmerksam zu machen.  Ob das reichen wird?


Comments

No comments

Add comment

*


*

* - required field