17.06.2013
Von: Helga Klinger-Groier

Aromapraktiker müsste man sein


Einer der Gründe, warum das Berufsbild des Übersetzers unter einem derart schlechtem Image leidet, ist,  wie schon im Blogbeitrag „Probeübersetzungen“ erwähnt, die Tatsache, dass die Ausübung des Berufs an keinerlei Anforderungen im Sinne eines Befähigungsnachweises gekoppelt ist. Egal, was man ist oder kann: einzige Anforderung zur Ausübung des Gewerbes - zumindest in Österreich -  ist ein Gewerbeschein, der ohne Umstände zu bekommen ist.  

Damit haben sich die Übersetzer offenbar abgefunden. Doch dass dieser unerträgliche Zustand nicht bis in alle Ewigkeit bestehen muss, zeigen die Aromapraktiker vor. In der Online-Ausgabe der österreichischen Tageszeitung  Kleine Zeitung wurde unlängst eine Aromapraktikerin vorgestellt, der das Kunststück gelang, das „Berufsbild des gewerblichen Aromapraktikers geschaffen und gesetzlich abgesichert“  zu haben – inklusive Befähigungsprüfung, versteht sich. Ich gratuliere herzlichst. Damit haben die Aromapraktiker erreicht, was die Übersetzer wohl noch nicht einmal versucht haben.   Und das Problem kostenloser Probe-Aromatherapien wurde offenbar auch aus der Welt geschafft, bevor es überhaupt entstand.

Die umtriebige Dame hofft, „dass ihr Berufsstand nun aus dem ‚esoterischen Eck‘ herausgeführt werden kann“. Die Chancen dafür stehen aus meiner Sicht gut. Weiterhin im „esoterischen Eck“ bleiben die Übersetzer unter anderem mit Astrologen und Energetikern. Das ist durchaus nicht ironisch gemeint, denn die Sprachdienstleister sind in der österreichischen Wirtschaftskammer der Fachgruppe „Dienstleister“ zugeordnet, der neben den erwähnten Astrologen und Energetikern übrigens auch Tierbetreuer oder Partnervermittler angehören. 

Um nicht weiter im esoterischen Eck bleiben zu müssen, werde ich mich mit dem österreichischen Berufsverband der Übersetzer und Dolmetscher in Verbindung setzen und anregen, dem Beispiel der Aromapraktikerin zu folgen. Immerhin hat sich der Berufsverband ja laut Webseite die „Aufklärung der Öffentlichkeit über die Qualifikation universitär ausgebildeter ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen“ auf seine Fahnen geheftet.  Die diesbezüglichen Aktivitäten  in den letzten Jahr(zehnt)en sind  ein offenbar gut gehütetes Geheimnis, das ich jetzt zu lüften versuche. Allfällige Neuigkeiten werden selbstverständlich umgehend in diesem Blog veröffentlicht.


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