28.06.2013
Von: Helga Klinger-Groier

Facebook-Seiten: Handlung erforderlich


Dem überwiegenden Teil der Menschheit mag es rätselhaft und unverständlich erscheinen, aber ich konnte mich erst kürzlich durchringen, Facebook beizutreten (ein gewisser Herr Snowden hat dieses Vorhaben beinahe in letzter Sekunde noch zu Fall gebracht).  Dennoch habe ich diesen Schritt gewagt. Dies allerdings nicht, weil ich eines schönen Morgens das unstillbare Bedürfnis verspürte, die Welt nun endlich über meinen extrem spannenden Tagesablauf in Kenntnis zu setzen, sondern um meine Sprachdienstleistungen auch auf dieser Plattform zu bewerben. Macht man heute ja so, oder?

Nun ja, ich begab mich also auf die entsprechende Seite im Netz und registrierte mich als  Unternehmen („Star“ wäre auch eine Möglichkeit gewesen, aber das musste ich aus offensichtlichen Gründen auf später verschieben).  Binnen weniger Minuten nach erfolgter Registrierung erreichte mich eine E-Mail mit dem überaus idiomatisch übersetzten Betreff „Handlung erforderlich“.  Man informierte mich, dass die „erforderliche Handlung“ darin bestand, mein neues Konto zu bestätigen. Außerdem erfuhr ich, dass mir Facebook hilft,  mit allen meinen „Freunden zu kommunizieren und in Kontakt zu bleiben“ (wie habe ich das beinahe 48 Jahre lang ohne Facebook geschafft?). Überdies wurde mir  in Aussicht gestellt, dass ich mit meinem Facebook-Konto ab sofort in der Lage wäre, „Fotos zu teilen“. Grandios. Am meisten freute mich dabei, dass offenbar nicht nur ich manchmal Probleme mit der Übersetzung völlig harmloser englischer Wörter wie „to share“ habe.

Meine Freude darüber war noch nicht abgeklungen, da erreichte mich bereits die nächste Nachricht unter dem  Betreff „ Willkommen zu Facebook-Seiten“. Gerade als ich mich wieder über die Übersetzung zu wundern begann, sah ich, dass die Nachricht selbst diesmal  auf Englisch abgefasst war. Plötzlich wurde mir klar, dass wir alle offenbar nicht nur im großen Stil abgehört werden, sondern dass man wohl auch schon unsere Gedanken lesen kann.  Wie auch immer: Man gratulierte mir zu meinem überaus schlauen Entschluss, den „Facebook-Seiten“ beizutreten.

Jetzt konnte es aber endlich losgehen. Zuallererst wollte ich natürlich meine Sicherheitseinstellungen anpassen, um nur ja keine Anfängerfehler zu begehen (und 5000 Leute zum Grillen in meinen Garten einzuladen).  Die Liste der Sicherheitseinstellungen ist ebenso faszinierend wie unverständlich. Unter Punkt 2 heißt es beispielsweise: „Sicheres Durchstöbern – Das sichere Durchstöbern ist derzeit aktiviert“. Aha.  Wer oder was, bitte, stöbert hier sicher durch? Ein Klick auf „Bearbeiten“ half mir weiter. „Facebook mithilfe des sicheren Durchstöberns (https) verwenden, wenn möglich“ (Man beachte wieder die gekonnte Übersetzung, die im nachgestellten „wenn möglich“ ihren Höhepunkt findet).  Nun ja, alles klar, https – eine sichere Verbindung -  ist also gemeint.  Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich beim Online-Banking meine Kontodaten schon jahrelang „sicher durchstöbere“. Das unterscheidet mich von einem Hacker  – der durchstöbert alles unsicher.

Nachdem ich meine Sicherheitseinstellungen vorgenommen (aber leider nicht verstanden) hatte und zur Kenntnis nehmen musste, dass ich „keine zuverlässigen Kontakte“ habe (eigentlich habe ich nicht einmal unzuverlässige), konnte ich mich nun endlich den Anweisungen auf meiner Seite widmen.  Zunächst war ich mit zwei Aufforderungen konfrontiert: „Publikum erweitern“ und „Baue dein Publikum auf“. Seltsam, ich hatte mich doch gar nicht als „Star“, sondern als „Unternehmen“ angemeldet (??). Ich lerne also, dass man auf Facebook als Unternehmen ein „Publikum“ hat. Noch dazu eines, das man aufbauen soll. Ich werde also posten:  „Ihr seid ein fantastisches Publikum – hoffe, wir sehen uns bald wieder und vergesst nicht, mich zu ‚liken‘“. 

Allerdings funktioniert das so nicht. Sein „Publikum  aufzubauen“ heißt nämlich im Facebook-Sprech, allen Menschen, die das Pech haben im Adressbuch meines  E-Mail-Programms zu stehen, eine  „Einladung“ auf meine Seite zu senden. Das habe ich bislang nicht gemacht und werde es wohl auch nicht so schnell nachholen. Deshalb ist mein „Publikum“ auch noch nicht so riesengroß. Aber falls Sie, geneigte Leserin, geneigter Leser, über ein Facebook-Konto verfügen, wäre es überaus nett, wenn  Sie vielleicht auf „Gefällt mir“ klicken und so zum „Aufbau“ meines „Publikums“ beitragen. Danke.


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