09.07.2013
Von: Helga Klinger-Groier

Originelle Originale


Heute, liebe Leserinnen und Leser, wollen wir uns einmal nicht dem Ende des Übersetzungsprozesses, also der fertigen Übersetzung, zuwenden, sondern vielmehr einen Blick auf dessen Anfang werfen – auf den Ausgangstext, das Original (das, so viel sei vorweg verraten, manchmal durchaus originell sein kann).

Da der Ausgangstext in den meisten Fällen in der Muttersprache der jeweiligen Verfasserin oder des Verfassers  geschrieben wird, geht man allgemein auch davon aus, dass diese Texte inhaltlich, sprachlich, orthographisch, idiomatisch und stilistisch einwandfrei sind. Das sind sie vielfach auch, aber eben nicht immer.  Dazu im Folgenden ein paar handverlesene Beispiele:

Vor nicht allzu langer Zeit lag mir eine auf Deutsch verfasste und ins Englische zu übersetzende Bedienungsanleitung für ein Gerät zur Desinfektion im Gesundheitsbereich vor.  Die zur Desinfektion verwendete Flüssigkeit ist zwar, laut Original, „biologisch abbaubar“, scheint es aber sonst in sich zu haben, denn: „…als Mikroaerosol reizt es die Schleimhäute und darf daher nicht auf die als Flüssigkeit auf die Haut und in die Augen gelangen oder als Aerosol in die Augen gelangen oder eingeatmet werden“.  Nun ja, als Flüssigkeit ist sie ohnehin schwer einzuatmen, aber am besten ist, man vermeidet den Kontakt mit diesem Teufelszeug überhaupt.

Doch nicht nur im Umgang mit der Desinfektionsflüssigkeit scheint Vorsicht geboten zu sein, auch hinter den konstruktiven Teilen des Gerätes lauert offensichtlich höchste Gefahr. Unter den Sicherheitshinweisen findet sich nämlich folgende Warnung: „Öffnen oder lösen Sie keine Abdeckungen oder Verkleidungen. Es könnten sich dahinter gefährliche Spannungen befinden.“  Diesen „gefährlichen Spannungen“  will sich nun wirklich keiner aussetzen, deshalb: Im Störungsfall besser nichts anrühren und flüchten…  Das sollte man im Übrigen auch schon beim Lesen der Beschreibung der Softwarefunktionen in Erwägung ziehen. Dort heißt es nämlich: „Im linken unteren Bereich befinden Sie Informationsmeldungen. Fehlermeldungen oder Probleme werden rot hinterlegt. Das Diagramm, welches im linken oberen Bereich zu sehen ist. Zeigt den Verlauf der einzelnen Phase.“  Gar nicht so einfach mit der Interpunktion im Deutschen.

Doch nicht nur die Technik hat offenbar ihre sprachlichen Tücken. In einem, ebenfalls ins Englische zu übersetzenden, allgemeinsprachlichen Text, der sich an sehr junges Publikum wendet, fand sich folgende sprachliche Perle: „Die Waschmaschine rumpelt und pumpelt und wirft furchtbar laut die Wäsche hin und her“.  Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich es gar nicht ausreichend zu schätzen, aber seither bin ich heilfroh, dass sich meine Waschmaschine auf Rotationsbewegungen beschränkt und das auch noch verhältnismäßig geräuscharm.

Schließlich heißt es in einer Anleitung für eine Massage: „Beide Hände an mehreren Händen flach auf den Rücken legen.“  Dafür würde sich offensichtlich am besten die mehrarmige indische Göttin Kali eignen. Doch der anatomische Höhepunkt folgt erst im nächsten Satz: „Keine Knochenteile massieren“. Dazu erspare ich mir jeden Kommentar und lasse Sie mit ihrer Fantasie alleine.

Insgesamt darf also festgestellt werden, dass das Elend der mehrsprachigen Kommunikation in manchen Fällen schon beim Ausgangstext beginnt. Mein diesbezüglicher Erfahrungsschatz erweitert sich ständig. Ich halte Sie auf dem Laufenden...


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