02.10.2013
Von: Helga Klinger-Groier

Ex-Gelder


Dass manche österreichische Politiker ein etwas angespanntes Verhältnis zur englischen Sprache haben, ist spätestens seit Hubert Gorbach bekannt. Der ehemalige Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie wollte nach seinem Abschied aus dem Amt auf internationaler Ebene reüssieren und verfasste einen Brief an den damaligen britischen Finanzminister Alistair Darling, in dem er den lieben „Alistar“ (sic!) bat,… - ja, worum eigentlich? Das war dem in fürchterlichstem Englisch verfassten Schreiben eigentlich gar nicht so ganz klar zu entnehmen. Als Grund für seine internationalen Ambitionen führte er jedenfalls an: „the world in Vorarlberg is too small“.  

Dieses Gefühl der Enge überkam so manchen Österreicher offenbar schon früher. Bereits  in den 1950er Jahren wanderte ein gewisser Franz Strohsack aus der Steiermark nach Kanada aus. Dort begann er in einer Garage Autoteile zu fertigen.  – Es scheint, als ob alle Erfolgsgeschichten in einer Garage beginnen. Vielleicht sollte ich die Stätte meines Wirkens auch verlegen. -  Jedenfalls: Strohsack war fleißig und baute einen internationalen Autozulieferkonzern auf. Gut fünfzig Jahre nach dem Einzug in die kanadische Garage, beschloss er - mittlerweile Frank Stronach genannt - in Österreich in die Politik zu gehen.  

Über die Begleitumstände dieses Schritts breiten wir hier den Mantel des Schweigens, aber im Hinblick auf Stronachs Englischkenntnisse gab es wenigstens Anlass zur Hoffnung, dass wir es diesmal mit einem Politiker zu tun bekommen, der uns auf internationaler Ebene zur Abwechslung einmal nicht blamiert. Doch im Wahlkampf zur jüngsten Nationalratswahl stellte sich leider heraus, dass Stronachs muttersprachliche Kenntnisse in Kanada offenbar schwer gelitten haben. Mittlerweile spricht er ein ähnlich gepflegtes Deutsch wie Arnold Schwarzenegger.

So sorgte er am 19. September 2013  in einer als Diskussion getarnten Wahlkampfshow im Fernsehen dafür, dass der österreichische Wortschatz einen kleinen Zuwachs verbuchen konnte.  Auf eine Frage der Moderatorin (welche, spielt überhaupt keine Rolle, denn Stronach antwortet prinzipiell nicht auf Fragen) reagierte Stronach mit der Bemerkung, dass der Staat zur Finanzierung diverser Aufgaben „Ex-Gelder“ brauche. 

Seither herrscht in Österreich Rätselraten. Was, bitte,  sind „Ex-Gelder“?  Das Präfix „Ex-„ würde darauf hindeuten, dass es sich um Gelder handelt, die sich in der Vergangenheit in unserem Besitz befunden haben. Diese Spur ist schon vielversprechend. Hilfreich auch eine andere Überlegung:  Womit finanzieren Staaten gemeinhin ihre Ausgaben? Mit Steuergeld.  Wenn man nun bedenkt, dass Stronach den größten Teil seines Lebens in Kanada verbracht hat, liegt der Schluss nahe, dass er vielleicht „Tax-Gelder“, also doch Steuergelder gemeint haben könnte.  Wie auch immer, ob „Tax-“ oder „Ex-Gelder“:  Weg sind sie in jedem Fall.


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